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Interview mit Ulrich Riediger von mieterundkaeufer.de

15. Februar 2013

Ulrich Riediger
Foto: H.v.Berg/Riediger
Medienprojekte

Ulrich Riediger ist Leiter der Seite mieterundkaeufer.de und will die Art der Immobiliensuche ein wenig erleichtern. Im Interview mit wohneigentumratgeber.net spricht er über die Finanzierung, Ziele und Ideale der Seite.

Statt Immobilienangebote wie bei den Platzhirschen gibt es bei Ihnen Immobiliengesuche: warum dieser Wechsel der Perspektive?

U. Riediger:  Es gibt in Deutschland zirka 300 lokale, regionale und überregionale Tageszeitungen, die mindestens einmal in der Woche die Anzeigenrubriken „Immobiliengesuche“ und „Mietgesuche“ veröffentlichen. Die Anzeigen dort kosten Geld und sind schnell verpufft – nichts ist so alt wie eine Zeitung von gestern. Wenn es also Kunden gibt, die in Tageszeitungen Gesuchsanzeigen schalten, dann muss es auch Interessenten geben, die ihr Miet- oder Kaufgesuch kostenlos ins Internet einstellen. Das Angebot von mieterundkäufer.de ist für die Suchenden kostenlos. Für Vermieter oder Verkäufer bietet unsere Plattform sehr viel komfortablere Selektionskriterien, um mit potentiellen Interessenten Kontakt aufzunehmen.

Ihre Plattform fungiert teilweise als Makler, wie finanzieren Sie die Seite?

U. Riediger:  Nein, das ist nicht ganz richtig. mieterundkäufer.de agiert nicht als Makler sondern ausschließlich als Medienplattform, die deutschlandweit Immobilien- und Mietgesuche bündeln soll.  Ich habe zwar die Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO und sie auch im Impressum angegeben, wir sind aber Medium und nicht Makler. Zur Finanzierung: Um ein neues, bundesweit relevantes Medium aufzubauen, dazu braucht  es Manpower, Zeit und Geld. Und das in nicht unerheblichem Ausmaß. Derzeit subventionieren wir die Website noch und sammeln Erfahrungen mit unterschiedlichen Werbemodellen, Zielgruppenbedürfnissen und regionalen Ausrichtungen. Unser Revenue Model greift zu einem späteren Zeitpunkt.

Wie viele Personen arbeiten aktuell an der Seite?

U. Riediger:  Es gibt ein Team, das die Plattform-Infrastruktur baut, eines, das die Datenbankstruktur liefert, ein anderes, das die Kommunikationssysteme bereitstellt und dann eines, das eventuelle Bezahlmodelle technisch möglich macht. Das sind alles ausgelagerte freie Teams, die ich nutze. Ich selbst kümmere mich um die Koordination, das Marketing, die Finanzierung und die konzeptionelle und strategische Entwicklung. Unser Erfolg steht und fällt mit der langfristigen Akzeptanz aller Beteiligten. Ich bin aber überzeugt, dass mieterundkäufer.de auf lange Sicht für alle Beteiligten im Miet und Immobilienmarkt eine große Relevanz besitzen wird.

Sie bieten ihre Gesuche mit und ohne Makler an: halten sich daran alle?

U. Riediger:  Die Idee ist,  Maklern, die zu den Inserenten auf mieterundkäufer.de Kontakt aufnehmen möchten, eine einfache Selektionsmöglichkeit zu geben: Maklerangebote ja oder nein. Viele Mietsuchenden möchten lieber Privatangebote, während Kaufgesuche mit Maklerangeboten weniger ein Problem haben.  Ob sich Makler konsequent daran halten, ist mir nicht bekannt, gehört aber zu unseren Nutzungsbedingungen. Mir war es aber wichtig, für Makler eine einfache Auswahlfunktion einzubauen, die alle Nichtinteressierten ausfiltert.

Wie sind grundsätzlich Ihre Erfahrungen mit dem Angebot: sind Gesuche sinnvoll?

U. Riediger:  Ich bin noch zu keiner abschließenden Bewertung gekommen. Mit unserer Web-Site haben wir das berühmte Henne-Ei-Problem: Was war zuerst da? Gesuche oder Anbieter? Der Umfang der Insertionen auf mieterundkäufer.de spiegelt sicher noch nicht den Markt und den tatsächlichen Bedarf.

Meine Beobachtung ist aber, dass die Suchenden oft andere Preisvorstellungen haben, als die Anbieter. In den großen Immobilienplattformen spiegeln sich ja meist eher die Wunschpreise der Anbieter, die ja oft erheblich von den finanziellen Möglichkeiten der Mieter und Käufer abweichen. Besonders in den Ballungsräumen.  Das führt dann dazu, dass sich viele Immobilien lange nicht verkaufen oder vermieten lassen.  Mit unserer Plattform haben diese Anbieter dann die Möglichkeit sich ein wenig zu besinnen und dann „neutral“ , also nicht in aller Öffentlichkeit mit einem korrigierten Exposé einen Preisnachlass kommunizieren zu müssen, und Kontakt aufzunehmen, zu Interessenten, die genau diese Immobilie zu etwas niedrigeren Preisen suchen.

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Über den Autor:

Sebastian studierte Druck- und Medientechnik an der Hochschule München und arbeitet bei der sebastian blum GmbH in den Bereichen Projekt- und Produktmanagement.